Sonntag, 08.07.2007

Die Anreise oder in 10 Stunden von Kumhausen bis Glenfarg.

Eigentlich begann meine Schottlandreise mit einem großen Schreck etwa eine Woche vorher, als mir klar wurde, dass ich, laut Flugplan, erst um 19:45 Uhr Ortszeit in Edinburgh landen sollte. Das allein wäre vielleicht nicht so schlimm, mag sich jetzt der eine oder andere denken. Als ich buchte, fand ich ja auch noch nichts dabei. Aber immerhin musste ich mein Gepäck aufsammeln, was gerne mal 30 Minuten oder auch 45 dauert, das Mietmobil abholen - sofern am Sonntag um viertel nach acht Uhr abends noch jemand da ist - und als völliger 'Newbie' (Linksverkehr und rechtsgesteuerte Wägen) mit einem fremden Auto in einem fremden Land durch eine fremde Großstadt knappe 60 Meilen ins Hotel zu gurken. Und hoffen, dass um elf Uhr oder womöglich noch später jemand öffnet ohne mir die Spitze eines echten Claymore unter die Nase zu halten.

Was in Kumhausen gegen 13:00 Uhr pünktlich begann, meine Abreise nämlich, fing schon in Freising an, ärgerlich zu werden. Vom MVV als 'Park and Ride' Bahnhof angepriesen entpuppte sich die Korbiniansstadt eher als 'Pay and Ride' Ort. Die beiden großen Parkflächen sind ausschließlich den Bussen vorbehalten und das nächstgelegene Parkhaus ist noch teurer als der Urlauberparkplatz am Flughafen. So suchte ich mir einen Stellplatz in einer Wohnsiedlung, still darauf hoffend, dass die Anwohner wenigstens eine Woche lange so freundlich bleiben, um mein schnuckeliges Wägelchen von Vandalismus verschont zu lassen. Rückblickend kann ich sagen: "Puuh, Glück gehabt." Allerdings habe ich mir fest vorgenommen, einen Ortskunden mal nach dem Verbleib des 'Park' zu fragen.

Heathrow Airport in London musste 2007 ohne mein Wissen als Streikjahr ausgerufen haben. Jedenfalls kam unser Flugzeug von dort erst mit halbstündiger Verspätung an, so dass sich auch schon meine erste Flugetappe um satte 30 Minuten nach hinten schob. In London selbst standen wir dann gleich noch mal eine halbe Stunde neben dem Terminal. Erst fehlte das Personal, um den Dispatcher festzumachen, dann glänzten jene Arbeiter durch Abwesenheit, die irgendetwas 'locken' sollten, um den Dispatcher für das Andocken vorzubereiten. Da ich nicht der Einzige war, dem ein Anschlussflug durch die Finger zu schlüpfen drohte, gab es beim Aussteigen ein wüstes Gedrängel. Was soll ich sagen: Hooligans halt.

Mein Auto, ein Fiat Sedici Diesel.

Der Flughafen selbst scheint mir - nach mittlerweile viermaliger Besichtigungstour - folgendermaßen aufgebaut zu sein. Zwei Gebäude mit vielckigem Grundriss und ein langer Gang dazwischen (und ich meine LAAAAAAAANG). Umsteiger, die das Glück haben, in Terminal 1 bleiben zu dürfen, müssen trotzdem beide Gebäude sowie den Gang zweimal durchqueren (linksrum natürlich, wir sind ja in England), bevor sie wieder dort das nächste Flugzeug besteigen dürfen, wo sie das letzte verlassen haben. An der letzten der zahlreichen Abzweigungen nach Terminal 2 (dem meines Wissens einzig anderen Terminal in diesem Flughafen - und ich glaube, dass es auch nur virtuell existiert um mit sage und schreibe zwei Terminals angeben zu können) findet sich auch endlich eine Tafel, an der die weiteren Flüge ausgeschrieben sind. Meiner, nebenbei bemerkt, um ein Stunde verschoben.

Peanuts, bisher, auch wenn ich über die Sicherheitsmaßnahmen an dieser Stelle schweigen möchte. Das größte Schurkenstück lieferten sie allerdings, als sie nicht nur mein Gepäck, sondern das von wenigstens 10 anderen Fluggästen einfach irgendwo liegen gelassen haben. Ich weiß nicht, wie es den anderen 10 ging, aber meins hat mich glücklicherweise schon am Dienstag Abend erreicht. Immerhin verdanke ich dieser Maßnahme die Bekanntschaft eines in Berlin lebenden Münchners, der zu einem Kongress nach Edinburgh gereist war. Gemeinsam haben wir uns ans Ende der Schlange des Gepäckermittlungsschalters eingereiht.

Meinen Kampf mit Auto und Verkehr an jenem Abend will ich vergessen. Und, bitte, der Pietät halber, fragt mich auch nicht danach. Lieber würde ich Euch ein atemberaubendes Bild vom Firth of Forth zeigen, das sich mir bot, als ich im abendlichen Licht auf die Brücke zusteuerte. Allein, mir fehlte der Nerv, nach einem Parkplatz Ausschau zu halten. Ich war froh, endlich auf der richtigen Straße in der richtigen Spur zu fahren. So genoss ich den Anblick die fünf Sekunden lang, in denen er sich mir bot und war entschädigt für alle Ungemach der Reise. Wieder vereint mit meinem Glück, Schottland sehen zu dürfen, stapfte ich um Fünf vor Elf auf mein Zimmer. Kurze Zeit später hörte ich die Dame vom Empfang fluchtartig das Hotel verlassen.