Donnerstag, 01.05.2008

Der wohl abwechslungsreichste Tag mit den Cliffs of Moher, dem Burren und Galway.

Der Tag begann mit den Klippen von Moher. Wir hatten Glück mit dem sonnigen und ruhigen Wetter. Die rauhe Brandung blieb uns deshalb leider verborgen. Wir hatten außerdem das Glück, der erste Bus auf dem Gelände zu sein und so konnten wir uns auf dem großen Areal ganz gut verteilen und die Aussicht in Ruhe genießen.

Der Turm oben auf den Klippen wurde angeblich erbaut um die Ehefrau des Bauherrn zu eliminieren. Welchen Plan der Göttergatte hegte ist leider nicht bekannt. Der Turm selbst ist nicht sonderlich hoch, vielleicht 8 m, und um sie von dort ganz in die Tiefe zu stürzen hätte er schon ein Meister im Frauen-Weitwurf sein müssen. Vielleicht hat er auch gehofft, dass sie noch ein- oder zweimal auftitscht, bevor sie über die Klippe hopst, um ihren Tod durch eine frühe Bewusstlosigkeit humaner zu gestalten. Ich weiß es nicht. Offen bleibt auch die Frage, ob der Mord nun geschah oder nicht.

Wie auch immer, von unterwegs knipste ich ein Bild aus dem Bus heraus, stellvertretend für all die vielen Gelegenheiten, an denen ich gerne stehengeblieben wäre, wenn das nicht das Programm von 45 anderen Leuten beeinträchtigt hätte.

Zu den Fotos Rund um den Burren.

Der Burren ist eine sehr krasse Landschaft. So karg wie blanker Fels nun mal ist. So unwegsam wie Lavafelder und doch von menschlicher Besiedelung nicht ausgenommen. Faszinierend.

In Galway genoss ich sowohl Sonne als auch die Läden und Pubs sowie die Begegnung mit verschiedenen Menschen. Das heißt, eine Begegnung habe ich weniger genossen. Ein Mann unbestimmbaren Alters lieferte sich laute Wortgefechte mit verschiedenen Verkehrsteilnehmern und fiel auch sonst durch sein lautes Geschrei auf. Ich saß auf einer Bank und versuchte unsichtbar zu bleiben, aber ein winziger Sekundenbruchteil Augenkontakt reichte aus, ihn auf mich zutorkeln zu lassen. Schwarze Hose, braunes Hemd, scharze Weste und eine schwarze Baseballkappe mit einer knallig gelben Blüte daran warf er seinen Schatten auf mich und brüllte mich mit unverminderter Lautstärke an. Ich versuchte mir ein möglichst gefährliches Aussehen zu verleihen, indem ich ihm mit verkniffenem Gesicht in die Auge starrte, aufstand und mir gleichzeitig den Rucksack auf den Rücken warf. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich ungefähr genauso groß bin wie er, denn er wankte einen halben Schritt zurück als ich mich aufrichtete.

Sein alkoholgeschwängertes Englisch war kaum zu verstehen, allerdings sprach er jetzt wenigstens in zivilisierter Lautstärke mit mir. Nach wenigen Minuten sinnloser Konversation drückte ich ihm ein Eurostück in die Hand, in der er außerdem seinen gesamten Besitz hielt, der aus zwei angerauchten Zigarettenstummeln und ein paar Bröseln Tabak bestand. Ziemlich glücklich und sich überschwenglich bedankend wurde ich ihn schließlich doch noch los ohne dass es zu Handgreiflichkeiten kam. Im Nachhinein bin ich nicht sicher, ob ich mit meiner Handlungsweise zufrieden bin. Weniger wegen dem Geld, das ich ihm zusteckte, als vielmehr wegen dem, was er dabei gelernt hat: nämlich dass er mit dieser Tour erfolgreich war. Immerhin, außer dass er besoffen und ziemlich lästig war scheint er auch genauso harmlos zu sein.